Gesundheit: Mehr Rücksicht auf Bedürfnisse von Frauen gefordert

Marvin Kahlenberg
Marvin Kahlenberg

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Frauen haben andere gesundheitliche Bedürfnisse als Männer. Dem wird in Behandlung und Forschung zu wenig Rechnung getragen. Nun reagierte der Bundesrat.

Frauen haben andere Bedürfnisse in der Gesundheitsversorgung als Männer.
Frauen haben andere Bedürfnisse in der Gesundheitsversorgung als Männer. - Depositphotos

In einer Medienmitteilung informiert das Bundesamt für Gesundheit über einen Postulatsbericht des Bundesrats, der einen stärkeren Fokus auf die gesundheitlichen Bedürfnisse von Frauen fordert.

Ausgehend von der Sitzung am 15. Mai 2024 beauftragt der Bundesrat zudem mehrere Bundesstellen damit, in der Forschung, Prävention und Ausbildung Massnahmen umzusetzen.

Geschlechterungleichheit bei der Gesundheitsversorgung

Frauen und Männer sind unterschiedlichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Sie zeigen ein anderes Gesundheitsverhalten und sind unterschiedlich von Krankheiten betroffen.

Auch werden sie im Gesundheitswesen unterschiedlich behandelt. Während die Schweiz zwar über ein qualitativ hochstehendes Gesundheitssystem verfüge, gebe es doch geschlechterspezifische Ungleichheiten und eine tendenziell männliche Perspektive in Forschung und Versorgung.

Dies ist der Befund einer Studie, welche in Zusammenhang mit der Beantwortung des Po Fehlmann Rielle erstellt wurde. Der Bericht in Erfüllung des Postulats Fehlmann Rielle ortet deshalb Handlungsbedarf in Forschung, Bildung, bei den Arbeitsbedingungen, Prävention und Gesundheitsversorgung.

Konkrete Verbesserungen bereits anvisiert

Für jeden Bereich leitet er Massnahmen für verschiedene Bundesstellen ab. Im Bereich Forschung wird das Heilmittelinstitut Swissmedic unter anderem beauftragt zu prüfen, ob geschlechtersensiblen Faktoren in der klinischen Forschung besser berücksichtigt werden müssen.

Alte Frau, Doktor
Der Bundesrat lässt nun prüfen, welche Verbesserungen im Gesundheitswesen nötig sind, um Bedürfnissen von Frauen gerecht zu werden. - Depositphotos

Mit der Lancierung des Nationalen Forschungsprogramms «Gendermedizin und Gesundheit» (NFP 83) hat der Bundesrat 2023 bereits eine zentrale Massnahme ergriffen. Diese soll für einen besseren Einbezug von Geschlechteraspekten in der medizinischen Forschungsorgen.

Potenzial bei Bildung und Prävention

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation werden evaluieren, ob in der Ausbildung für das Gesundheitspersonal biologische und soziale Geschlechteraspekte genügend berücksichtigt werden.

Zudem soll geprüft werden, welche weiteren Schritte allenfalls unternommen werden müssten.

Im Bereich der Prävention wird das BAG kontrollieren, wie Geschlechteraspekte noch besser eingebracht werden können. Hier geht es um nichtübertragbare Krankheiten sowie die Strategie Sucht.

Besonderer Fokus Demenzerkrankungen

Beim Thema Gesundheitsversorgung wird das BAG zudem beauftragt, den spezifischen Bedürfnissen von Frauen im Rahmen der Nationalen Plattform Demenz Rechnung zu tragen.

Demenzerkrankungen sind bei Frauen häufiger als bei Männern, werden jedoch im Durchschnitt später diagnostiziert.

Ausserdem wird die Eidgenössische Qualitätskommission beauftragt, frauenspezifischen Bedürfnissen bei Projekten zur Verbesserung der Behandlungsqualität mehr Rechnung zu tragen.

Präventionsmaterial gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz soll aktualisiert werden

Auch die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen sind stark vom Geschlecht geprägt. Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann und das Staatssekretariat für Wirtschaft werden beauftragt, das Präventionsmaterial gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu aktualisieren.

Das Thema sexuelle Belästigung ist weiter aktuell.
Das Thema sexuelle Belästigung ist weiter aktuell. - Depositphotos

Ausserdem sollen spezifische Massnahmen für den Gesundheitssektor geprüft werden. Werden frauenspezifische gesundheitliche Bedürfnisse gezielt berücksichtigt, so können für Frauen bessere Behandlungsergebnisse erzielt werden.

Damit könnte auch Qualität im Gesundheitswesen insgesamt gesteigert werden. Die Bundesstellen werden bis Ende 2029 die Massnahmen umsetzen und dem Bundesrat erneut Bericht erstatten.

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