Zensur im Netz: Wie Social Media Frauenkörper degradiert

Maike Lindberg
Maike Lindberg

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Pornografische Inhalte sind auf Social Media geduldet. Doch warum werden weibliche Gesundheitsthemen strukturell zensiert und sogar mundtot gemacht?

Eine stillende Mutter wird im Internet oft zensiert.
Eine stillende Mutter wird im Internet oft zensiert. - Depositphotos

Die Zensur von Gesundheitsbeiträgen über weibliche Körper auf Social-Media-Plattformen nimmt alarmierende Ausmasse an. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Berichte über die Zensur von Beiträgen, die sich mit «Frauenthemen» befassen:

Das reicht von sexueller Gesundheit bis hin zum Stillen und Kaiserschnitten. Die Gleichstellung der Geschlechter scheint in diesem Bereich noch weit entfernt zu sein.

Der Frauenkörper als Sexobjekt

Während Bilder männlicher Brustwarzen und Schamhaare problemlos durchgehen, werden Posts über weibliche Anatomie oft als pornografisch eingestuft und zensiert. Selbst wenn sie gesundheitliche Themen wie Menstruation behandeln.

Traurig aber wahr: Der weibliche Körper wird häufig sexualisiert wahrgenommen, unabhängig vom Kontext. Besonders schockierend ist das Etikettieren einer Kampagne zur Sensibilisierung für Brustkrebs als Pornographie.

Der Frauenkörper wird immernoch viel zu häufig sexualisiert.
Der Frauenkörper wird immernoch viel zu häufig sexualisiert. - Depositphotos

Diese Kennzeichnung ersetzt die Sichtweise der Frau auf ihren eigenen Körper durch eine fremde Perspektive, welche ihren Körper nur als Objekt sexueller Begierde sieht. Ein Phänomen, das auch als «sexuelle Objektifizierung» bezeichnet wird.

Stillende Mütter unter Beschuss

Trotz einer positiven Veränderung der Einstellung zum Stillen in der Öffentlichkeit sehen einige Menschen auch das Stillen als «anstössig» an. Diese Wahrnehmung hindert einige Mütter gar daran, in der Öffentlichkeit zu stillen.

Die Zensur auf Social Media zeigt deutlich: Es besteht nach wie vor eine erhebliche Stigmatisierung des weiblichen Körpers – und diese ist schädlich.

Dabei ist die weibliche Brust in erster Linie als Nahrungsquelle für den menschlichen Nachwuchs gedacht. Und nicht als sexuelles Körperteil.

Weibliche Anatomie als Tabu-Zone

Diese dominierende Sichtweise führt dazu, dass Algorithmen alternative Gründe für das Zeigen oder Besprechen von weiblichen Körpern nicht erkennen können. So verlieren Frauen die Möglichkeit, über ihre eigenen Körper zu sprechen oder Informationen darüber zu finden.

Medizinische Begriffe, wie Klitoris, Ausfluss, Wechseljahre, Fehlgeburt oder polyzystisches Ovarialsyndrom, werden sogar regelmässig auf Social Media zensiert. Untersuchungen zeigen:

Stereotype Körperbilder können zu Essstörungen führen.
Stereotype Körperbilder können zu Essstörungen führen. - Depositphotos

Frauen neigen durch die Objektifizierung ihres Körpers eher dazu, ihren eigenen Körper als ein Objekt für andere zu betrachten. Entsprechen sie nicht einem gewissen Ideal, fühlen sie sich oft wertlos.

Durch diese Objektifizierung entwickeln schon viele Mädchen ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper. Essstörungen und andere psychische Krankheiten sind manchmal die Folge.

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